Zahlen und Fakten aus der iRFP-Studie

In Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Jena hat das Bündnis Fernverkehr für Jena das renommierte Institut für Regional- und Fernverkehrsplanung (iRFP) beauftragt, die Auswirkungen der Inbetriebnahme der Neubaustrecke durch den Thüringer Wald auf die Erreichbarkeit der Stadt Jena darzustellen und zu untersuchen, wie Jena zukünftig in einen integralen „Deutschland-Takt“ einbezogen werden kann.

In der Studie wurden zwei Zukunftsszenarien ausgearbeitet und gegenübergestellt: Das „Zielszenario ohne Fernverkehr Jena“ und das „Zielszenario mit Fernverkehr Jena“. Beide Zielszenarien beziehen sich auf die Inbetriebnahme der Neubaustrecke Leipzig – Erfurt – Ebensfeld und die damit verbundene Umstellung der Fernverkehrslinien. Das Zielszenario ohne Fernverkehr Jena wurde gebildet, indem aus dem Zielszenario mit Fernverkehr Jena die folgenden Linien entfernt wurden, für die es nach dem Gutachter vorliegenden Informationen zum Zeitpunkt der Bearbeitung keine Verkehrsverträge gab:

  • Fernverkehrslinie Leipzig – Jena – Nürnberg,
  • Regionalverkehrslinien (RE-Linien) Jena/Erfurt – Halle/Leipzig.

Obwohl die genannten Regionalverkehrslinien kein Fernverkehr sind, werden sie im Zielszenario ohne Fernverkehr mit ausgeklammert, da sie zumindest teilweise als Kompensation des entfallenden ICE herhalten müssen. Die RB-Linien Eisenach – Erfurt – Halle, Naumburg – Saalfeld wie auch die RE-Linie Nürnberg – Jena wurden wie im Zielszenario mit Fernverkehr Jena belassen. Da diese Linien heute gleichzeitig mit dem Fernverkehr bestehen, werden sie nicht als Kompensation des Fernverkehrs angesehen.

Zusätzlich wurden die Jahresfahrpläne 2007 und 2011 zur zahlenmäßigen Bewertung des bisherigen Angebots ausgewertet. Die Auswahl des Jahresfahrplans 2011 erfolgte, da es sich um den zur Projektbearbeitungszeit aktuellen Fahrplan handelte. Die Aufnahme des Jahresfahrplans 2007 erfolgte im Sinne einer bisher attraktivsten Fernverkehrsanbindung der Stadt Jena, da in Voruntersuchungen festgestellt wurde, dass in den letzten Jahren Verschlechterungen eingetreten sind. Nach Meinung des Gutachters handelt es sich beim Jahresfahrplan 2007 um das hinsichtlich der genannten Kennwerte beste Angebot der jüngeren Vergangenheit.

Im Folgenden wird aus dieser Studie auszugsweise Zahlenmaterial vorgestellt, das die bisherige und zukünftige Erreichbarkeit der Stadt Jena im SPV zum Ausdruck bringt.

 

Entwicklung der Reisezeiten in den letzten Jahren und zu erwartende Entwicklung im Szenario ohne Fernverkehr Jena

Relation Mittlere Reisezeiten und Anzahl Verbindungen (in Klammern)
2007 2011 Zielszenario ohne Fv. Jena
Jena – Berlin 2.21 (14) 2.26 (15) 2.44 (14)
Jena – Leipzig 0.59 (14) 1.10 (14) 1.30 (14)
Jena – Hamburg 4.07 (13) 4.17 (13) 4.29 (14)
Jena – Hannover 3.15 (13) 3.09 (13) 3.14 (14)
Jena – Magdeburg 2.34 (20) 2.28 (21) 2.28 (26)
Jena – Halle (Saale) 1.25 (22) 1.18 (21) 1.20 (26)
Jena – Dresden 2.20 (13) 2.33 (14) 2.51 (14)
Jena – Erfurt 0.38 (32) 0.37 (31) 0.35 (32)
Jena – Köln 4.30 (12) 4.31 (13) 4.21 (14)
Jena – Frankfurt a. M. 3.05 (13) 3.11 (13) 3.01 (14)
Jena – Nürnberg 2.06 (15) 2.26 (14) 2.13 (14)
Jena – Stuttgart 4.31 (12) 4.44 (13) 4.24 (14)
Jena – München 3.22 (14) 3.41 (13) 3.25 (14)

Die Tabelle enthält für Relationen zwischen Jena und ausgewählten Großstädten Deutschlands die mittleren Reisezeiten (Mittelwert über priorisierte Verbindungen eines Werktages; Priorisierung schneller Verbindungen gegenüber kürzeren Wegen oder weniger Umsteigen) und die Anzahl Verbindungen am Tag (in Klammern) mit farblicher Hervorhebung der Reisezeiten (±1 min).

Es ist ersichtlich, wie sich die Reisezeiten vor allen von und nach nördlich von Jena liegenden Städten, die über Leipzig oder Halle erreicht werden müssen – insbesondere in Richtung Hamburg, Berlin, Leipzig und Dresden – verschlechtern; im Falle von Leipzig sogar um über 30 min auf den 1,5fachen Wert des Jahres 2007. Ebenfalls ersichtlich ist, wie sich die Reisezeiten bereits in den letzten Jahren seit 2007 verändert – teilweise erheblich verschlechtert – haben.

 

Mögliche Wiederherstellung der bisherigen Reisezeiten im Szenario mit Fernverkehr Jena

Relation mittlere Reisezeiten und Anzahl Verbindungen (in Klammern)
bisher Zielszenario ohne Fv. Jena Zielszenario mit Fv. Jena
Jena – Berlin 2.21 (14) 2.44 (14) 2.27 (14)
Jena – Leipzig 0.59 (14) 1.30 (14) 1.06 (14)
Jena – Hamburg 4.07 (13) 4.29 (14) 4.11 (14)
Jena – Hannover 3.09 (13) 3.14 (14) 3.06 (14)
Jena – Magdeburg 2.28 (21) 2.28 (26) 2.24 (26)
Jena – Halle (Saale) 1.18 (21) 1.20 (26) 1.14 (26)
Jena – Dresden 2.20 (13) 2.51 (14) 2.34 (14)
Jena – Erfurt 0.37 (31) 0.35 (32) 0.35 (32)
Jena – Köln 4.30 (12) 4.21 (14) 4.21 (14)
Jena – Frankfurt a. M. 3.05 (13) 3.01 (14) 3.01 (14)
Jena – Nürnberg 2.06 (15) 2.13 (14) 2.13 (21)
Jena – Stuttgart 4.31 (12) 4.24 (14) 4.24 (14)
Jena – München 3.22 (14) 3.25 (14) 3.25 (21)

Die Tabelle zeigt, wie es auch in Zukunft gelingen kann, mit Fernverkehr Jena in nahezu jedem Falle die einstmals vorhandenen Reisezeiten wieder anzubieten. Es ist ersichtlich, dass in den wesentlichen sich verschlechternden Relationen des Szenarios ohne Fernverkehr Jena, im Szenario mit Fernverkehr Jena eine Verbesserung um jeweils einen Grad erreicht werden kann.

Grau dargestellt sind die vier Relationen, die bereits ohne Fernverkehr Jena bessere Zeiten als bisher hatten. In diesen Relationen treten keine weiteren Verbesserungen auf. Es handelt sich um die über Erfurt – Frankfurt a. M. erreichbaren Ziele, denen die geringfügige Verkürzung der Reisezeit nach Erfurt nach Beendigung der dortigen Bauarbeiten zu Gute kommt. Die Neubaustrecke bringt in diesem Sinne für Jena keine Verbesserungen, aber auch keine Verschlechterungen in Ost-West-Richtung.

 

Zunahme des notwendigen Umsteigens, Abnahme des Fernverkehrsanteils

Relation Direktverbindungen Umsteigehäufigkeit Fernverkehrsanteil*
bisher
(2007 /2011)
Zielszenario bisher
(2007 /2011)
Zielszenario bisher
(2007 /2011)
Zielszenario
ohne mit ohne mit ohne mit
Fv. Jena Fv. Jena Fv. Jena
Jena – Berlin 93 % 0 0 0,2 1,0 1,0 98 % 72 % 73 %
Jena – Leipzig 96 % 0 50 % 0,1 1,0 0,5 98 % 51 % 49 %
Jena – Hamburg 76 % 0 0 0,3 1,5 1,5 96 % 82 % 83 %
Jena – Hannover 0 0 0 1,2 1,5 1,0 53 % 52 % 44 %
Jena – Magdeburg 0 0 0 1,7 2,0 2,0 27 % 28 % 23 %
Jena – Halle (Saale) 27 % 0 33 % 0,8 1,3 1,0 29 % 23 % 14 %
Jena – Dresden 0 0 0 1,0 1,5 1,5 93 % 73 % 67 %
Jena – Erfurt 52 % 52 % 52 % 0,5 0,5 0,5 0 0 0
Jena – Köln 0 0 0 2,1 2,0 2,0 82 % 78 % 78 %
Jena – Frankfurt a. M. 0 0 0 1,0 1,0 1,0 82 % 72 % 72 %
Jena – Nürnberg 100 % 0 33 % 0,0 1,0 0,7 100 % 62 % 75 %
Jena – Stuttgart 0 0 0 2,6 2,5 2,5 85 % 78 % 78 %
Jena – München 66 % 0 0 0,3 1,0 0,7 99 % 72 % 82 %

* Fernverkehrsanteil zeitbezogen, d. h. Anteil der Reisezeit in Fernzügen an der Gesamtreisezeit

Die Tabelle enthält ausgewählte Kennwerte für die fahrplanbezogene Verbindungsqualität des Szenarios mit Fernverkehr Jena gegenüber den bisherigen Werten und dem Szenario ohne Fernverkehr Jena. Wieder sind die vier Ost-West-Relationen grau hervorgehoben, die von der entfallenden ICE-Linie auf der Saalbahn nicht betroffen sind und bei denen sich daher nichts ändert.

Bezüglich der Direktverbindungen kann der bisherige Zustand erwartungsgemäß nicht wieder hergestellt werden. Nach Leipzig ist zumindest wieder jede zweite Verbindung umsteigefrei (bisher jedoch: jede). Nach Halle (Saale) wird wegen der direkten RE-Linie im 2-h-Takt wieder das bisherige Niveau erreicht, bei dem etwa jede dritte Verbindung umsteigefrei ist. Berücksichtigt man die insgesamt gestiegene Anzahl Verbindungen nach Halle (von 21 auf 26), bedeutet dies sogar eine deutliche Verbesserung des bisherigen Angebotes.

Es muss jedoch auch festgestellt werden, dass selbst mit dem der Studie zu Grunde liegenden Konzept mit Fernverkehr Jena immer noch deutliche Verschlechterungen für Jena eintreten, insbesondere weil realistischerweise ein Großteil der entfallenden Fernverkehrsleistungen nur durch Regionalverkehr kompensiert werden kann und dieser Regionalverkehr systembedingt eine schlechtere Verbindungsqualität beinhaltet.

 

Zusammenfassende Übersicht

Relation Nachteile Zielszenario ohne Fv. Jena gegenüber bisher Vorteile Zielszenario mit Fv. Jena gegenüber ohne Fv. Jena
Jena – Berlin Reisezeit über 20 min länger, häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr Reisezeit über 15 min gekürzt (nur noch 6 min länger als bisher)
Jena – Leipzig Reisezeit über 30 min länger (1,5fach), häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr Reisezeit über 20 min gekürzt, umsteigen reduziert, 50 % Direktverbindungen
Jena – Hamburg Reisezeit über 20 min länger, häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr Reisezeit über 15 min gekürzt (nur noch 4 min länger als bisher)
Jena – Hannover Reisezeit geringfügig länger, häufiger umsteigen Reisezeit und Umsteigehäufigkeit wieder auf bisherige Werte reduziert
Jena – Magdeburg häufiger umsteigen Reisezeit gekürzt
Jena – Halle (Saale) häufiger umsteigen Reisezeit gekürzt, umsteigen reduziert, wieder Direktverbindungen eingeführt
Jena – Dresden Reisezeit über 30 min länger, häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr Reisezeit über 15 min gekürzt
Jena – Erfurt - keine - - keine -
Jena – Köln - keine - - keine -
Jena – Frankfurt a. M. - keine - - keine -
Jena – Nürnberg längere Reisezeit, häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr mehr Fahrtmöglichkeiten, wieder Direktverbindungen, umsteigen reduziert, Fernverkehrsanteil erhöht
Jena – Stuttgart - keine - - keine -
Jena – München häufiger umsteigen, weniger Fernverkehr mehr Fahrtmöglichkeiten, umsteigen
reduziert, Fernverkehrsanteil erhöht

Die Gegenüberstellung führt die Nachteile des Entfalls des Fernverkehrs und die Vorteile des Erhalts entsprechend Zielszenario mit Fernverkehr in stark zusammengefasster, verbaler Form auf. Diese Darstellung ist dementsprechend einseitig, da insbesondere die in jedem Falle vorhandenen Nachteile – auch mit dem hier unterstellten Fernverkehr für Jena – nicht zum Ausdruck kommen. So bedeuten grün hervorgehobene Einträge eben nur, dass die Lösung besser ist als ohne Fernverkehr – sie ist hingegen nicht zwangsläufig besser als bisher.

Erneut ergeben sich für die Ost-West-Relationen über Erfurt (Köln, Frankfurt a. M., Stuttgart) keine Vor- und Nachteile der beiden Szenarien – diese Relationen sind von der entfallenden ICE-Linie und deren eventueller Kompensation nicht betroffen.

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iRFPDie Bereitstellung des Datenmaterials erfolgte mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Regional- und Fernverkehrsplanung iRFP. Die vollständige Studie kann hier eingesehen werden.