Stimmen zum Thema Fernverkehr für Jena

An dieser Stelle geben wir Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens die Gelegenheit, sich zum Thema zu äußern. Die Meinungen geben die Sicht der jeweiligen Person wieder und müssen nicht in allen Punkten mit der Meinung und den Forderungen des Bündnisses übereinstimmen.

Klaus Berka, Vorstandsvorsitzender der Analytik Jena AG: "Wachstum benötigt Mobilität"

Jena ist eine Stadt mit einer langen und erfolgreichen Hochschultradition und vielen starken, international agierenden Unternehmen. Die Universität, die Fachhochschule und die Unternehmen vor Ort sind das Rückgrat der äußerst erfolgreichen Entwicklung Jenas und haben Jena und Thüringen international so bekannt und erfolgreich gemacht. Jena hat sich hier zu einem wirtschaftlichen Leuchtturm Ostdeutschlands entwickelt.

Wir, die Analytik Jena AG, sind als ein internationales Unternehmen mit Niederlassungen und Büros weltweit vertreten, wie zum Beispiel in China, Japan, Rumänien und Russland. Auch in Deutschland verfügen wir über mehrere Standorte wie zum Beispiel in Berlin und Göttingen und beschäftigen insgesamt innerhalb des Konzerns weltweit über 800 Mitarbeiter. Mehr als 2/3 unserer Produkte werden exportiert.

Hierdurch sind unsere Mitarbeiter sehr oft weltweit unterwegs und wir empfangen sehr oft Kunden und Geschäftspartner aus ganz Deutschland sowie aus der ganzen Welt. Daher ist eine Anbindung Jenas an das Hochgeschwindigkeitszugnetz der Deutschen Bahn die Basis für die nationale und internationale Mobilität.

Eine moderne, leistungsfähige und gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und hierzu gehört auch ausdrücklich die ICE-Anbindung sichert eine schnelle, flexible und kostengünstige Erreichbarkeit und Mobilität und ist somit ein wichtiger Standortfaktor für die Entwicklung des Standortes Jena und des Umlandes. Sie ist von zentraler Voraussetzung für Wachstum und Beschäftigung.

Ebenso ist auch der ökologische Effekt einer ICE-Anbindung nicht zu unterschätzen, da man in diesem Fall immer wieder auf den Zug als Alternative zum Auto zurückgreifen kann.

Ein an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft orientierter Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sollte daher von hoher Priorität sein. Eine Abkopplung Jenas vom ICE-Fernverkehr bedroht dagegen nicht nur die Entwicklung Jenas, sondern ganz Ostthüringens.

Daher spreche ich mich ausdrücklich für eine weitere ICE-Anbindung Jenas und Ostthüringens sowie auch einen Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung aus.

Klaus Berka gründete 1990 zusammen mit seinem früheren Zeiss-Kollegen Jens Adomat die Analytik Jena. Die Analytik Jena entwickelte sich in den folgenden 20 Jahren zu einem internationalen Konzern und Komplettsystemanbieter für Analysenmesstechnik. Heute arbeiten weltweit knapp 800 Mitarbeiter im Konzernverbund und betreuen Kunden in über 120 Ländern.

Christian Otto Grötsch, Geschäftsführer dotSource GmbH

Die Hochburgen des deutschen Onlinehandels wie zum Beispiel Hamburg, München oder Berlin profitieren von einer guten Fernverkehrssituation. Die momentane ICE-Anbindung kommt auch den E-Commerce Dienstleistern in Jena zugute. Die dotSource GmbH sitzt als eine der wachstumsstärksten Agenturen in der Region quasi an der „Seidenstraße“ des E-Commerce. Insgesamt gesehen stehen die meisten hier ansässigen Dienstleister mit Geschäftspartnern und Kunden aus den drei Städten in Verbindung. Darüber hinaus nutzen unsere Mitarbeiter durch die ICE-Anbindung eine schnelle und kostengünstige Alternative zu einem Mietwagen. Ein optimales Branchenwachstum kann nur gegeben sein, wenn die Situation auch weiterhin so bleibt und im besten Fall noch stärker den regionalen Unternehmen zugutekommt.

Die Prägnanz der Fernverkehrsanbindung betonte Geschäftsführer Christian Grötsch auch während des Besuchs der Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in den neuen dotSource Agenturräumen.

Christian Otto Grötsch ist Geschäftsführer der dotSource GmbH. Seit 2006 realisiert das Unternehmen erfolgreiche Softwareprojekte für anspruchsvolle Kunden. Die dotSource GmbH unterstützt Händler, Hersteller und Verlage bei der Entwicklung ihrer E-Commerce Strategie und der digitalen Inszenierung ihrer Marken.

Dr. Anton Hofreiter, MdB und Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung am Deutschen Bundestag

Die drohende Abkopplung Jenas vom Fernverkehrsnetz zeigt besonders drastisch, was in der deutschen Bahnpolitik schiefläuft. Nach milliardenschweren Investitionen in die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald wird sich die Erreichbarkeit im Fernverkehr auf der Schiene vor allem für Ostthüringen weiter verschlechtern. Die Vorstellung, man könne künftig den Fernverkehr Thüringens quasi ausschließlich über den Bahnknoten Erfurt organisieren, ist einfach absurd. Selbstverständlich braucht eine Stadt wie Jena auch in Zukunft ein gutes Fernverkehrsangebot. Dafür sind allerdings politische Weichenstellungen auch auf Bundesebene notwendig: Wir brauchen eine Regelung, mit der eine Mindestbedienung im Fernverkehr auf der Schiene sichergestellt wird und der Bund endlich seiner grundgesetzlichen Verpflichtung nach Artikel 87e (4) nachkommt.

Dr. Anton Hofreiter ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Seit 2011 ist er Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Andreas Hörcher, Vorstand TowerByte eG
Die meisten der gegenwärtig 28 Mitgliedsfirmen der TowerByte eG. haben den Großteil ihrer Kunden außerhalb Thüringens. Aktuell sind dies über 80%, die sich meist in Ballungsräumen wie z.B. Hamburg, Berlin, Frankfurt und München befinden. Eine schnelle und unkomplizierte Verbindung Jenas mit diesen Zielen ist Voraussetzung für eine weitere gute Entwicklung dieser Geschäftsbeziehungen. Mit der aktuell guten Nord-Süd-Anbindung gelingt es uns oft, den Standortnachteil außerhalb der klassischen Großstädte in den Vorteil der zentralen Lage in der Mitte Deutschlands zu verwandeln. Eine schlechtere Anbindung Jenas gefährdet unsere Kundenbeziehungen und damit die Positionierung Jenas als wichtiger E-Commerce Standort.

Andreas Hörcher ist seit 2010 Vorstand der TowerByte eG., geschäftsführender Gesellschafter der Finnwaa GmbH und Initiator der Socialmarketingagentur.com.

Ralph Lenkert, MdB

Jena braucht eine direkte Anbindung an Fernverkehr der Bahn.

Firmen, die langfristig erfolgreich sind und es bleiben wollen, stellen die Kunden ins Zentrum ihrer Aktivitäten. Das Gegenteil macht derzeit die Deutsche Bahn: 2017 wird Jena nach deren Planungen seine direkte Fernverkehrsverbindung verlieren. Als Konsequenz folgen Fahrzeitverlängerungen, zusätzliche Umstiege, Komfortverlust sowie, durch die längere Strecke über Erfurt bedingt, höhere Preise. 

Die Bahn ist aber immer noch das bevorzugte Reisemittel für viele Bürgerinnen und Bürger. Jedoch bringt jeder Umstieg, jeder Bahnsteigwechsel nicht nur ältere Fahrgäste dazu, lieber auf ihre Fahrt oder die Bahn zu verzichten. Gerade Wissenschaftlerinnen, Geschäftsleute, Studentinnen und Firmenmitarbeiter nutzen die Bahn als mobilen Arbeitsplatz und ihre Reise als produktive Arbeitszeit. Unterbrechung der Arbeit bedeutet damit Zeitverlust und erzeugt Frust.

Jede Kundin und jeder Kunde der Bahn, der Beeinträchtigungen auf seiner Reise erlebt - seien es der verpasste Anschlusszug, unbequeme Zwischenetappen oder vielfache Reiseunterbrechungen - wird es sich zukünftig zweimal überlegen, ob er die Bahn nutzt. Dies schadet der Attraktivität und damit der Entwicklung der betroffenen Regionen, also auch uns in Jena und letztlich ebenfalls der Deutschen Bahn AG. Denn deren Streckensystem ähnelt einem großen Strom: Mit jedem fehlenden Zufluss, jeder abgehängten Stadt, trocknet der Hauptstrom mehr aus, bis er schließlich ebenfalls versiegt.

Ralph Lenkert ist seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter (Gera-Jena-SHK) im Deutschen Bundestag. Für DIE LINKE ist er der Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Ludwig Lutter, CFO Intershop Communications AG
Das Geschäft von Intershop ist sehr beratungsinteniv. Ein großer Teil unserer Mitarbeiter ist regelmäßig im Rahmen von Projekten bei Partnern und Kunden vor Ort - weltweit. Deren Manager und Mitarbeiter wiederum kommen für Vorortbesprechungen, Schulungen oder Kundenveranstaltungen nach Jena. Diese Kundenbeziehung ist für uns existenziell. Deswegen sind schnelle Verbindungen von und nach Jena hochgradig wichtig. Das bevorzugte Verkehrsmittel für unsere Dienstreisen und Besucher ist der Fernverkehr der Deutschen Bahn, der direkte Verbindungen zu Flughäfen und in wichtige Großstädte herstellt. Wir sind seit Jahren Großkunde der DB. Intershop hat sich gerade erst mit Neubauplänen zum Standort Thüringen bekannt und möchte in den nächsten Jahren bevorzugt in Jena neue Arbeitsplätze schaffen. Wir erhoffen uns dazu von den verantwortlichen Politikern, ihrer Verpflichtung nachzukommen, die dafür notwendigen Standortvoraussetzungen zu erhalten oder zu verbessern. Regionalzüge und Umsteigeverbindungen sind eine eindeutige Verschlechterung und eine falsche Entwicklung. Jena ist schon jetzt über 2 Stunden vom nächsten internationalen Flughafen entfernt. Die gefühlte "Entfernung" vergrößert sich nochmals extrem, wenn der ICE wegfällt und nur noch Regionalexpress-Umsteigeverbindungen angeboten werden. Das führt dazu, dass Mitarbeiter häufiger das Auto nutzen, was erstens weniger umweltfreundlich ist und zweitens die Reisekosten für das Unternehmen deutlich erhöht. Das wird dann zu einem echten Standortnachteil.

Ludwig Lutter ist seit 2010 Finanzvorstand der Intershop Communications AG. Intershop bietet E-Commerce-Lösungen und betreut mit weltweit über 400 Mitarbeitern vom Stammsitz Jena aus 500 Groß- und mittelständische Kunden auf der ganzen Welt.

Dr. Michael Mertin, Vorstandsvorsitzender JENOPTIK AG
Wir brauchen in Jena eine funktionierende Infrastruktur. Damit sind nicht in erster Linie gehobene Gastronomie, gute Einkaufsmöglichkeiten, die Erschließung neuer Flächen für attraktiven Wohnraum oder ein Veranstaltungsort für größere Teilnehmerzahlen gemeint - obwohl Entwicklungen in diesen Bereichen Jena auch gut zu Gesicht stehen würden. Wichtig für unsere Mitarbeiter, Geschäftspartner und Gäste der Stadt sind akzeptable Verkehrsanbindungen. Wir brauchen nicht fünf kleine und schlechte Flughäfen in der Umgebung, sondern einen, der funktioniert. Mir ist es egal, ob dieser in Leipzig oder Erfurt steht, aber wir brauchen einen, von dem aus man wirklich fliegen kann. Selbst für Flüge zu europäischen Standardzielen muss man nach Berlin, Frankfurt oder München fahren. Und wenn es schon an dem ist, dann sollten wenigstens die Bahnverbindungen dorthin vernünftig sein. Wir haben in Jena zig Diskussionen rund um High-End-Kultur. Infrastruktur ist viel wichtiger, sie ist die Basis für Erfolg.

Dr. Michael Mertin ist seit 1. Juli 2007 Vorsitzender des Vorstandes der JENOPTIK AG. Er ist außerdem Mitglied in verschiedenen Gremien und Verbänden, unter anderem im Vorstand des Deutschen Industrieverbandes für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (SPECTARIS), im Bundespräsidium des Wirtschaftsrates und im Landeskuratorium Mitteldeutschland des Stifterverbandes zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Markus Ortlieb, Leiter der Dienststelle Jena des Deutschen Patent- und Markenamts

Das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) ist das nationale Kompetenzzentrum auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes in Deutschland. Über 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erteilen Patente, tragen Marken und Muster ein und verwalten diese Schutzrechte.

In der Dienststelle Jena sind hierfür mehr als 200 Beschäftigte tätig, die eng mit dem Hauptsitz des DPMA in München und mit der Dienststelle in Berlin zusammenarbeiten. Die vielfältigen Kontakte zwischen den Standorten können nicht immer telefonisch, per Mail oder mit einer Videokonferenz abgewickelt werden. Oft ist ein persönlicher Austausch nötig. Zudem kommen viele unserer Kundinnen und Kunden beispielsweise zu Anhörungen und Veranstaltungen persönlich in die Dienststelle Jena. Bedingt durch die geografische Lage von Jena nehmen die meisten Dienstreisenden und Besucher unserer Dienststelle gerne das Angebot der Deutschen Bahn in Anspruch und reisen mit dem ICE. Die Beschäftigten des DPMA würden sich sehr freuen, wenn auch in Zukunft eine komfortable und schnelle Verbindung bestehen bleiben könnte.

Prof. Jürgen Popp, Direktor des Institut für Photonische Technologien (IPHT)

Das IPHT ist regelmäßig Gastgeber großer wissenschaftlicher Kongresse, zu denen oft mehrere hundert Gäste aus dem In- und Ausland anreisen. Darüber hinaus leitet unser Institut internationale Projekte und veranstaltet auch in diesem Zusammenhang Tagungen und Workshops mit Gästen aus nahezu aller Welt. Es ist für uns und unsere Arbeit deshalb essentiell, dass Jena gut zu erreichen ist, gerade auch für internationale Besucher, die auf den Flughäfen Berlin, Frankfurt oder München landen. Wir müssen unseren Gästen schnelle und komfortable Möglichkeiten bieten, Jena zu erreichen. Wenn Sie einen Transatlantik-Flug hinter sich haben, möchten Sie mit all ihrem Gepäck nicht noch mehrfach umsteigen, zumal nicht auf Bahnhöfen, die nicht auf internationales Publikum eingerichtet sind und wo es Verständigungs- und Orientierungsprobleme gibt.

Meine Kollegen und ich sind natürlich auch selbst viel unterwegs, ob nun zu Projekttreffen mit Kollegen oder zu internationalen Tagungen. Daher wissen wir aus eigener Erfahrung, wie frustrierend es sein kann, wenn man für das erste oder letzte Teilstück mehr Zeit benötigt als für den Rest der Reise. Wir plädieren deshalb dringend für eine auch weiterhin gute Fernverkehrsanbindung Jenas – damit unsere Stadt nicht den Anschluss verpasst!

Prof. Jürgen Popp ist Wissenschaftlicher Direktor des Institut für Photonische Technologien (IPHT), das unter dem Motto Photonics for Life - From Ideas to Instruments photonische Verfahren und Systeme höchster Sensitivität, Effizienz und Auflösung von den Grundlagen bis zur Anwendung erforscht und entwickelt.

Prof. Dr. Peter Sedlacek (i.R.), Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung

Jena ist der Thüringer Hochschulstandort mit einem bundesweiten studentischen Einzugsbereich.

Jena ist der Technologiestandort in einem globalen Netz von Forschung und Entwicklung.

Jena ist in Thüringen die Stadt mit dem größten Anteil internationaler Bevölkerung und Unternehmen.

Eine mangelhafte direkte Erreichbarkeit von anderen wissenschaftlichen, technologischen und politischen Zentren sowie wichtigen Knoten im deutschen und globalen Verkehrsnetz stellt in meinen Augen nicht nur einen Standortnachteil, sondern ein Entwicklungshemmnis für die Stadt und das Land dar und beschwört die Gefahr herauf, im interregionalen und internationalen Wettbewerb zurückzufallen.

Prof. Dr. Sedlacek war bis vor zwei Jahren Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsgeographie und Regionalentwicklung an der Friedrich Schiller Universität Jena.

Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF)
Die exzellente verkehrstechnische Anbindung einer Region ist heute ein wichtiger Standortfaktor. Die Stadt Jena und ihr Umland sind schon heute überregional über öffentliche Verkehrsmittel schlecht angebunden, so fehlt seit Jahren eine effiziente Mitte-Deutschland-Verbindung der Bahn entlang der Achse Erfurt-Weimar-Jena-Gera. Mit dem Wegfall der ICE-Verbindung wird eine weitere Lebensader abgeschnitten – und das bei einer Stadt, die als eine der zukunftsträchtigsten Deutschlands gilt.

Prof. Dr. Andreas Tünnermann ist Direktor des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) Jena. Er ist außerdem Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften, u. a. in der Europäischen Plattform Photonics 21 und als Vorstand der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Lasertechnik. Für das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist er beratend im Programmkomitee "optische Technologien" tätig. 2010 wurde er zum Fellow der Optical Society of America berufen.

Dr. Klaus Ullrich, Geschäftsführer BioCentiv GmbH

Gern verwendet man, wenn man über Jena spricht, den Vergleich mit einer Insel. Man zieht ihn heran, um zu erklären, dass man einen Ort erreicht hat, der sich von seinem Umfeld in bestimmter Weise wohltuend abhebt. Ganz sicher ist dabei nicht die Lage im Saaletal gemeint, sondern eher die Prosperität einer Stadt der Wissenschaft und eines Wirtschaftsstandortes, der weltweit mit optischer Industrie, Medizintechnik und Gerätebau in Verbindung gebracht wird. Eine solche Insel kann es nur geben, wenn sie gut erreichbar ist. Bei allem technischen Fortschritt ist dafür das Internet zu wenig. Studenten, Wissenschaftler und Geschäftsleute brauchen auch schnelle Verbindungen, um in persönlichen Kontakt zu kommen, um im Gespräch neue Ideen zu generieren und nicht zuletzt um Jena überhaupt kennen zu lernen und zu erleben. Gerade auch mit Unternehmensgründern habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Vor-Ort-Eindruck von der Universität, den Instituten am Beutenberg oder den Firmen in Göschwitz und im Saalepark ein wichtiger Indikator für eine Standortentscheidung ist. Um solche Situationen zu ermöglichen sind attraktive Fernverkehrsverbindungen von und nach Jena unerlässlich. Sie sind quasi die wichtigste Brücke zur Insel. Ist diese erst abgerissen oder unbefahrbar geworden,  wird wohl kaum jemand die Mühe einer „Ruderpartie“ mit der Regionalbahn auf sich nehmen, um die Insel zu erreichen. Die nicht funktionierende West-Ost-Verbindung ist schließlich bereits seit Jahren ein Ärgernis im Reiseverkehr für Jenaer Gäste. Gleiches gilt im Übrigen auch, wenn man die Insel zwischenzeitlich verlassen muss. Jena muss weiter mit Fernverkehr versorgt werden. Ich unterstütze deshalb ausdrücklich die Ziele des Bündnisses "Fernverkehr für Jena".

Dr. Klaus Ullrich ist seit 2000 Geschäftsführer der BioCentiv GmbH, der Betreibergesellschaft des Bioinstrumentezentrums, eines weltweit anerkannten branchenspezifischen Technologie- und Gründerzentrums für Unternehmen der Biotechnologie und des Gerätebaus.